Welcome to the detailed analysis for museumaargau.ch. This domain is officially recognized as Museum Aargau – 2000 Jahre Geschichte am Schauplatz!. According to their official web presence, their primary focus is: "10 Museen zu 2000 Jahre Geschichte: Erlebe im Museum Aargau Geschichte am Schauplatz! Schlösser Lenzburg, Wildegg, Hallwyl und Habsburg, Vindonissa, Klosterhalbinsel Wettingen, Kloster Königsfelden, Sammlungszentrum Egliswil, IndustriekulTOUR Aabach.".
"Zurück zum Blog 28. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Münzgeld verliert heutzutage zunehmend an Bedeutung. Römische Münzen waren bei den Römern hingegen das zentrale Zahlungsmittel und ermöglichten Einkäufe und Handel im ganzen Reich. Doch was macht römische Münzen so besonders und wofür wurden sie verwendet? "Pecunia non olet" – Geld stinkt nicht. Diese Redewendung geht auf Kaiser Vespasian zurück, der zur Finanzierung des Staates eine Steuer auf öffentliche Latrinen einführte. Als sein Sohn Titus die Moral dieser Steuer beanstandete, hielt Vespasian ihm Münzen aus der Steuereinnahme unter die Nase und fragte, ob der Geruch ihn störe. Natürlich nicht, da Münzen per se keinen Geruch haben. Doch was macht römische Münzen sonst aus? Münzen wurden geprägt In Vindonissa wurde 2004 ein Münzstempel gefunden. Die Untersuchung des Münzstempels ergab, dass dieser Stempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen ( denare und aurei ) des Kaisers Tiberius (14 – 37 n. Chr.) benutzt wurde. Der Fund eines Prägestempels ist einerseits aussergewöhnlich, da diese eigentlich sorgfältig aufbewahrt und nach Gebrauch nicht einfach so entsorgt wurden, um einen unautorisierten Gebrauch zu verhindern. Andererseits ist der Fundort in einem Legionslager ungewöhnlich. Münzen wurden normalerweise in Rom oder in anderen offiziellen Münzprägestätten (z. B. in Lugdunum/Lyon) produziert. Vindonissa war also eigentlich keine Prägestätte. Ist dies somit ein Hinweis darauf, dass damit Münzfälschungen hergestellt wurden? Als Beispiel: In der Insula 50 in Augusta Raurica wurden Hinweise zur Produktion von Münzfälschungen sowie Falschmünzen selber gefunden. Diese Münzen waren anstatt aus massivem Silber nur aus versilberter Bronze. Im Gegensatz zu Augst wurden aber in Vindonissa keine direkten Hinweise auf die Produktion von Fälschungen gefunden. Eine andere Erklärung für diesen Umstand ist, dass Münzen nicht nur zentral geprägt wurden, sondern ausnahmsweise auch an anderen Orten. Da die wichtigste Empfängergruppe für Münzen Soldaten waren, wäre es nachvollziehbar, die Münzen dort zu prägen, wo sie auch schnell und in grosser Menge hinmussten. Vindonissa als logistisches Zentrum im Hinterland und in der Nähe der Truppen an der Rheingrenze wäre dafür prädestiniert gewesen. Die Rohform der Münze (Schrötling) wird zwischen zwei Stempel gelegt und durch einen gezielten Hammerschlag geprägt. Münzen wurden als Propagandamittel genutzt Die Münzen im Römischen Reich wurden in offiziellen Prägestellen geprägt und erlaubten es, die Bevölkerung bis in die hintersten Winkel des Reiches zu erreichen. Römische Münzen zeigten meist das Porträt der aktuellen Kaiser auf der Vorderseite und auf der Rückseite oft militärische Erfolge, Bauwerke, Götter oder Personifikationen. Münzen wurden in Serien geprägt und die darauf abgebildeten Kaiser lassen sich eindeutig bestimmten Regierungszeiten zuordnen, was es Numismatikerinnen und Numismatikern (Münzwissenschaftlerinnen und Münzwissenschaftlern) ermöglicht, einen Herstellungszeitraum zu bestimmen. Dem Kaiser wiederum ermöglichte es, bis in die Provinzen Propaganda zu betreiben. So nutzte Kaiser Augustus die Münzprägung beispielsweise gezielt als Werbeträger seiner kaiserlichen Selbstdarstellung. Durch die wiederholte Abbildung eines jugendlichen, kraftvollen Feldherrn präsentierte er sich selbst als ewig jungen und entschlossenen Sieger. Auf den Münzen erschienen neben seiner eigenen Gestalt aber auch militärische und aussenpolitische Erfolge, sodass das gesamte Reich ständig über seine Siege informiert wurde. Gleichzeitig legitimierte er damit seinen Herrscherstatus, indem er seine Leistungen öffentlich machte. Münzprägestempel, gefunden in Vindonissa für die Prägung von Münzen des Kaisers Tiberius. © Kantonsarchäologie Aargau Münzen wurden ausbezahlt und verschenkt Der Eintritt in die Legion brachte viele Vorteile mit sich. Einer davon war der gute Lohn. Nach dem einmaligen Eintrittsgeld erhielten die römischen Legionäre in der Kaiserzeit meist dreimal pro Jahr ihren Sold ( stipendia ) ausbezahlt. Zu Zeiten von Kaiser Domitian, gegen Ende des 1. Jh. n. Chr., verdiente ein Soldat etwa 1200 Sesterzen. Konnte man sich zum Fahnenträger hocharbeiten, verdiente man sogar das Doppelte (2 400 Sesterzen) und als Centurio sogar das 15‑fache (18 000 Sesterzen). Die Soldaten mussten davon bis zu zwei Drittel für Versorgungskosten abgeben, etwa für Waffen, Kleidung und Verpflegung. Die Legionäre erhielten nicht nur Sold, sie hatten auch Anrecht auf Kriegsbeute oder erhielten Geldgeschenke ( donativa ), welche der Kaiser unter den Soldaten verteilte. Manche donativa waren Ausdruck von Dankbarkeit für erhaltene Gefälligkeiten und andere waren Bestechungen für zukünftige Gegenleistungen. Überwiegend wurden sie zum Regierungsantritt eines Kaisers ausgezahlt. Es gab aber auch andere Möglichkeiten, sich als Soldat etwas dazuzuverdienen. Ein Beispiel ist das Verleihen von Geld mit Zinsen, wie es eine Schreibtafel aus Vindonissa bezeugt. Auf dieser Schreibtafel beglaubigen fünf Zeugen mit Siegel, dass Lucius Haterius Marius dem Sextus Carisius Maximus am 25. Januar 90 n. Chr. für dreissig Tage Geld lieh. Der Text ist durchgestrichen, womit der Schuldner vermutlich das Geld ordnungsgemäss zurückerstattet hatte. © Kantonsarchäologie Aargau Auch bei der ehrenvollen Entlassung aus dem Dienst ( honesta missio ) wurden Legionären nach ihrer 25-jährigen Dienstzeit Geld ausbezahlt, mit dem Vorteil, dass Veteranen dann von Steuern und anderen Verpflichtungen gegenüber dem Staat befreit waren. Münzen wurden aufbewahrt Münzen für den täglichen Bedarf trugen die Römer und Römerinnen in einer Geldbörse mit sich. Dies war oft ein kleines Säckchen aus Leder oder Stoff, welches mit einer Kordel verschlossen wurde. Man konnte diesen Beutel an einem Gürtel oder um den Hals tragen. Es gibt seltene Funde von metallenen "Handgelenksgeldbörsen", welche vermutlich von Legionären getragen wurden. Solche wurden zum Beispiel in Südmähren (CZ), in York (UK) sowie in Vindonissa gefunden. Links: Beispiel einer "Handgelenkgeldbörse" aus einer Kupferlegierung aus York (UK), vermutlich aus dem 2.-3. Jh. n. Chr. © York Museums Trust/Wikimedia Commons. Rechts: Eine "Handgelenksgeldbörse" aus Bronze. © Kantonsarchäologie Aargau Aber auch das ersparte Geld musste an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. So gibt es Beispiele für persönliche Spardosen. Diese wurden häufig aus Ton in verschiedenen Formen hergestellt oder aus Tontöpfen umfunktioniert, wie ein Beispiel aus Vindonissa zeigt. Den Spartopf nannte man aulularia, die Verkleinerungsform von aula (Topf), also Töpfchen. Krug aus Ton, der zu einer Sparbüchse umfunktioniert wurde. © Kantonsarchäologie Aargau In den Legionslagern wurde das Geld für die Soldzahlungen, wie zum Teil auch die Ersparnisse der Legionäre, in einem Tresorraum aufbewahrt. In Vindonissa konnte der Tresorraum der 21. und 11. Legion ausgegraben werden. Dieser befand sich unter dem Fahnenheiligtum , da dies einer der bestbewachten Orte im Legionslager war und der Feldzeichenträger auch dafür verantwortlich war, die Gelder der Soldaten zu verwalten und zu bewachen. Münzen wurden mitbestattet Während des 1. Jh. n. Chr. war in Vindonissa Brandbestattung üblich. Seltener wurden Menschen zu dieser Zeit auch körperbestattet. Wieso gewisse Menschen körperbestattet wurden, könnte folgende Gründe haben: Aus kulturellen Gründen (Zuwanderung aus einer Region, in der Körperbestattung üblich war). Die Bestatteten waren Aussenseiter der Gesellschaft. Die Bestatteten waren zu arm für ein reguläres Begräbnis. Die Bestatteten waren Menschen, die als junge Erwachsene zu früh verstorben sind und bei denen somit der normale/übliche Lebenskreislauf nicht vollendet wurde. Typische Beigaben bei Körper- und Brandbestattungen waren persönliche Gegenstände, Geschirr, Speisen, Öllämpchen sowie Münzen. Manchmal wurden Münzen bei Bestattungen dem Verstorbenen in den Mund gelegt, damit der Verstorbene im Jenseits den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Totenreich bezahlen konnte. Nur im Mund kam die Münze sicher bis dahin mit. Diese Begräbnissitte haben die Römerinnen und Römer von den Griechen übernommen. Obolus für den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Jenseits. © Kantonsarchäologie Aargau Verwendete und weiterführende Literatur Doppler, H. W., Pauli-Gabi, T. und Peter, M.: Der Münzstempel von Vindonissa. Jahresbericht / Gesellschaft Pro Vindonissa 2004. https://doi.org/10.5169/seals-282942 Hintermann, D. (Hrsg.) Vindonissa-Museum Brugg. Ein Ausstellungsführer 2012. S. 63-68 und S. 156-164. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter 5: Römische Zeit. Bäder – Reben – Legionen. SPM V 2002. S. 179-186 und S. 332-355. Von Chiara Huwiler Von Chiara Huwiler Chiara Huwiler ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare"
By comparing museumaargau.ch to other leading websites in its niche, marketers and researchers can identify key traffic sources and growth opportunities. Explore our related resources below to find websites similar to museumaargau.ch.
Yes, according to our latest analysis, we detected a valid SSL certificate ensuring a secure connection.
As of September 6, 2026, museumaargau.ch holds an estimated domain authority score of 77/100 based on our VisitRank tracking algorithms.
You can find the best alternatives and similar sites to museumaargau.ch in our explore section, which includes competitors in the E-commerce & Retail sector.
Common Misspellings & Typo Domains for museumaargau.ch:
"Zurück zum Blog 24. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Der Legionskommandant von Vindonissa zeigt euch im Video, wie die Römer eine toga drapieren. Die toga Das wichtigste Kleidungsstück im Römischen Reich war die toga , die üblicherweise weiss war. Getragen wurde sie von allen Männern, die das römische Bürgerrecht besassen. Das unterscheidet römische Bürger klar von Sklaven, Verbannten und Barbaren. Das Tuch war etwa 5 bis 6 Meter breit. Da der Legionskommandant legatus legionis , kurz Legat, dem Senatorenstand angehörte, trug er eine toga , die mit einem Purpurstreifen eingefasst war. Der echte Purpurfarbstoff wurde aus Purpurschnecken gewonnen. Da dieser jedoch sehr teuer war, gab es schon bald auch billigere Imitate aus pflanzlichen Rohstoffen. Bei unserer Darstellung handelt es sich beim roten Streifen allerdings um eine Rekonstruktion mit einer neuzeitlichen Farbe, da wir zur Farbherstellung keine Purpurschnecken verwenden wollten. Die tunica Unter der toga trug der Legat eine tunica , die ebenfalls auf beiden Seiten mit einem breiten Purpurstreifen versehen war. Die tunica war das grundlegende Kleidungsstück aller Römerinnen und Römer. Sie diente entweder als Untergewand oder als Hauptkleidungsstück. Ihre Länge, Weite und Gestaltung variierte je nach Person und Epoche: Mal war sie lang oder kurz, mal schmal oder weit, mal schlicht, bunt oder kunstvoll verziert. Im Video haben wir uns auf die toga konzentriert. Die Ärmel der tunica entsprechen nicht dem typischen Modell, das ein Legat zur Zeit des Legionslagers Vindonissa im 1. Jahrhundert n. Chr. trug. Die tunica der Senatoren hatte damals nämlich keine Ärmel. Blogbeitrag zum Thema “Römische Kleidung” Eine toga drapieren Den Senatoren standen immer Sklaven zur Verfügung, die ihre Togen drapierten. Und so wurde sie gebunden: Zuerst wurde ein Drittel des Tuchs von hinten über die linke Schulter gelegt. Das hintere Teil wurde anschliessend unter dem rechten Arm durchgeführt. Das Schulterblatt musste frei bleiben, damit die Person sich bewegen konnte. Das restliche Tuch wurde von vorne über die linke Schulter geworfen. Oben wurde alles schön drapiert, damit auch die Streifen gut zu sehen waren. Die Falllinie des Stoffes, die von der Hüfte bis zur Schulter führte, hiess sinus . Zum Schluss wurde ein Stück Stoff unter dem rechten Arm hervorgezogen und über den Sinus drapiert. Die Tasche, die dadurch entstand, wurde umbo gennant. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare"
"Dauerausstellung Preis Museumseintritt Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl Wer hat auf Schloss Hallwyl gelebt? Wie haben die Herren von Hallwyl für Recht und Ordnung gesorgt? Und wie haben die Bediensteten gelebt und gearbeitet? Die Dauerausstellung im Schloss gibt Einblick in die Bau- und Familiengeschichte sowie in die verschiedensten Lebensbereiche von Adel und Untertanen. Die Themenbereiche reichen von der Landwirtschaft und der Fischerei über mittelalterliche Arzneimittel bis hin zum damaligen, auf der Religion basierenden Weltbild. Audiovisuelle Shows, ein Audioführer, Schlossmodelle zum Anfassen sowie Truhen und Schränke zum Öffnen machen die Ausstellung zum Erlebnis für die ganze Familie. Dauerausstellung im Wohnmuseum auf Schloss Hallwyl: Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl"
"Zurück zum Blog 08. Juli 2026 Kategorien Mittelalter Historische Kleidung Trug man im Mittelalter nur graue und braune Kleidung? Weit gefehlt! Eine Hommage an die Farbigkeit dieser Epoche. Das Klischee des "dunklen Mittelalters" hält sich in der breiten Bevölkerung und in der medialen Kultur hartnäckig – zum Frust von Historikerinnen und Historikern sowie anderen, welche sich mit dieser Epoche differenzierter auseinandersetzen. Wenn man im alltäglichen Kontext etwas als "mittelalterlich" bezeichnet, ist dies negativ geprägt und soll "rückständig" ausdrücken. Allerdings war das Mittelalter aufgeklärter, heller und bunter, als es die heutige kollektive Vorstellung vermuten lässt. "Das Mittelalter" wird in Film und Fernsehen gerne mit einem Graufilter porträtiert, um die Erwartungen des fälschlich geprägten Publikums zu erfüllen. Auch angeblich "historische" Dokumentationen zeigen Personen in einer gleichmässigen Einheit dunkler, fader und teils auch verdreckter Kleidung dargestellt. Das Mittelalter war jedoch genauso vielfältig wie jede andere Epoche, was Farbigkeit anging. Von wunderschön illuminierten Handschriften über Glasfenster bis hin zu Schmuckstücken, Keramik und eben auch: Kleidung ! Geschichte der Textilfärberei Entgegen den klischierten Vorstellungen trugen die Menschen aller mittelalterlichen Stände definitiv Farbe. So konnten Blau, Hellgrün, Gelb und Rot aus günstigen Färbemitteln gefärbt werden. Allerdings markierten Färbegrad und Färbemittel einen Unterschied im sozialen Status – aber dazu weiter unten mehr. Synthetische Farbstoffe wurden erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Bis dahin färbte man Textilien mit natürlichen Farbstoffen aus Pflanzen (Wurzeln, Blättern, Rinden, Hölzern, Blütenteilen, Samen) sowie aus Tieren und Metallen. Textilien wurden bereits in der Jungsteinzeit gefärbt und das Wissen über das Färben von Textilien war insbesondere in China, Persien, Syrien und Ägypten präsent und verbreitet. In unseren Breitengraden färbten bereits die europäischen Pfahlbauer ihre Kleidung. In der Antike beizte man die Textilien mit Alaun, Eisen- und Kupfervitriol. Beizen bedeutet, dass die Farbintensität gefestigt und vertieft wurde. Funde von Alaun-Amphoren in Augusta Raurica zeugen davon, dass dieser Rohstoff in die heutige Schweiz gehandelt wurde. Gefärbt wurden Fasern und Stoffe aus Wolle, Leinen und Seide, wobei Leinen nicht so farbintensiv wie die anderen beiden pflanzlich gefärbt werden kann. Färbemittel In Europa wurden für die drei Grundfarben hauptsächlich folgende Pflanzen verwendet: Blau: Waid (Isatis tinctoria), aus den Blättern Rot: Krapp ( Rubia tinctorum) , aus dem Wurzelstock Gelb: Wau/Reseda ( Reseda luteola) , aus den oberen Pflanzenteilen, besonders den blühenden Ästen Der Anbau von Färberpflanzen machte die jeweiligen Ortschaften reich, so zum Beispiel die Stadt Erfurt in Thüringen, welche sich zum Zentrum des mittelalterlichen Waidhandels etabliert hatte ("Erfurter Blau"). Das Elsass in Frankreich und die Stadt Speyer in Deutschland waren berühmte Orte für den Krappanbau und -handel (bspw. "Speyerer Rot"). Für Gelb verwendete man neben Wau auch Färberkamille, Zwiebelschalen und wertvollen Safran. Indigo als blaues Pigment war bekannt, musste aber teuer importiert werden. Mit Indigo gefärbte Stoffe waren entsprechend wertvoll. Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert, als die aus Indien stammende Indigopflanze in der Karibik kultiviert wurde, löste das stärker und leuchtender färbende Indigo den Waid ab. Färberwaid, Färberkrapp (Wurzeln) und Färberwau, Wikimedia commons. Noch teurer als Indigo war Purpur. Für ein Gramm Purpurfarbstoff benötigt man 10 000 Purpurschnecken. Bis ins 15. Jahrhundert wurde dies nur in Konstantinopel hergestellt und war den Kaisern vorbehalten. Senatoren markierten ihren Status ebenfalls mit purpurnen Streifen an ihren Togae . Nachdem Konstantinopel 1453 erobert wurde und das Byzantinische Reich zerfiel, verschwand das Wissen zur Herstellung von Purpur. Es wurde durch das sogenannte Kermesrot ersetzt, das aus weiblichen Kermesschildläusen gewonnen wurde. Dieses wurde wiederum im 16. Jahrhundert durch die aus Amerika eingeführte Cochenille-Schildlaus abgelöst. Damit können intensivste Pinkfärbungen erzeugt werden. Je nach Seltenheit und Aufwand ergibt sich der Wert einer Farbe – Textilien sollten möglichst lichtecht und waschfest gefärbt sein. Diese Qualität in den Textilien erlaubt es auch den «Gutbetuchteren», ihren Reichtum und ihren Stand über die Farbe und Qualität ihrer Kleidung zu demonstrieren. Je höher die Sättigung einer Farbe, desto teurer also der Stoff. Mehrfachfärbungen waren ebenfalls teurer. Alle Stoffe gefärbt von Stefan Fankhauser, Schönfärbery. Je dunkler der Farbton, desto öfter wurde ein Stoff gefärbt und ist dadurch teurer. Identität und Repräsentation: Kleiderordnungen "Kleider machen Leute" und wie heute versuchten Menschen sich auch im Mittelalter mittels Mode schick zu machen. Der Ausdruck des sozialen Status in der ständischen, mittelalterlichen Gesellschaft über die äussere Erscheinung wurde zum Missfallen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit auch überstrapaziert. Um den Ausdruck über Äusserlichkeiten, also auch über die Qualität der Farbigkeit von Textilien zu regeln, wurden die sogenannten Kleiderordnungen erlassen. Ab dem 12. Jahrhundert versuchte die Obrigkeit, die Vermischung der Grenzen zwischen den Ständen durch sogenannte Sittenmandate zu kontrollieren und einzudämmen. Sittenmandate regelten die maximal zulässige "Aufwändigkeit" an Kleidung. Dies galt nicht nur zwischen den Ständen, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Die Zürcher Kleiderordnung aus dem 14. Jahrhundert gab vor, dass nur junge, unverheiratete Frauen ihre Kleidung mit Edelmetallen und Edelsteinen schmücken durften, verheiratete und verwitwete jedoch nicht. Burgundische Mode. Regnault de Montauban, rédaction en prose, tome 1er. Bibliothèque nationale de France, Bibliothèque de l’Arsenal, Ms-5072, fol. 270v, 2, Hälfte 15. Jahrhundert. Der Berner Twingherrenstreit ist ein anschauliches Beispiel für einen Konflikt um Kleiderordnungen, an dem auch ein ehemaliger Bewohner von Schloss Lenzburg beteiligt war. Im Jahr 1469 wurde eine bereits bestehende Kleiderordnung von 1464, welche sich gegen Adelige richtete, vom neu gewählten, bürgerlichen Schultheissen erneuert. Der Berner Adel wehrte sich und verstiess absichtlich gegen die neuen Regeln. Unter den Gegnern war auch Twingherr Adrian I. von Bubenberg – er amtete von 1457 bis 1461 als bernischer Vogt auf der Lenzburg. Twingherrenstreit. Aus: Bern, Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3, p. 87 und p. 100 – Diebold Schilling, Amtliche Berner Chronik, Bd. 3, 1478-1483. In der Verordnung wurde das Tragen der damals beliebten, burgundischen Mode verboten: spitze Schnabelschuhe und lange Schleppen bei Damen und kurze Männergewänder. Angehörige des Adels demonstrierten dagegen, indem sie mit Schleppen und Schnabelschuhen zur Messe erschienen. Dies führte zu einem Gerichtsprozess, in dem sie argumentierten, ein Recht auf Markierung des Standesunterschiedes zu haben. An Werktagen könnten sie keine Kleidung aus Seide oder Gold tragen, weshalb sie auf Schnabelschuhe und Schleppen angewiesen seien. Die Adeligen wurden darauf mit einer Busse belegt und für einen Monat aus der Stadt Bern verbannt. Sie wurden aber bald schon aufgrund der Wirtschaftlichkeit wieder zurückgeholt und die Kleiderordnung musste angepasst werden. Ein Beispiel für eine Ordnung, welche ungefärbte, graue Wolle vorsah, stammt aus dem tirolischen Brixen. 1215 schrieb das Vierte Laterankonzil vor, dass die dort ansässigen Kleriker sich bescheiden zu kleiden hatten. Die Verwendung roter Farbe wurde untersagt. Sie war sehr beliebt, doch rotes Wolltuch musste teuer aus Flandern und den Niederlanden importiert werden, weil die einheimische Wolle von der Qualität her keine kräftige Rotfärbung zuliess. Später wurde auch Grün verboten, welches mit einer zusätzlichen Färbung des teuren Indigos besonders leuchtend gefärbt wurde. Ein weiteres Klischee: Die Farbe Gelb Ein kollektives Wissen über die Verwendung der Farbe Gelb zur Kennzeichnung von Randgruppen ist weit verbreitet. Allerdings greift dieses Bild oft zu kurz, weshalb der Zusammenhang hier genauer betrachtet werden soll. Ein päpstliches Legat bestimmte mit dem sogenannten Judendekret 1451/52 u.a., dass alle in der Bamberger Diözese lebenden Juden einen gelben Ring auf ihrem Gewand oder Mantel tragen mussten. Aber: Jüdinnen mussten an ihren Kopfbedeckungen oder Schleiern zwei blaue Streifen tragen. Also auch hier: Vorsicht bei Verallgemeinerungen über Farbcodierungen. Ausserdem hält sich das Klischee, dass Prostituierte gelbe Kleider getragen haben, hartnäckig. Dies ist aber ebenfalls nicht belegbar. Im 15. Jahrhundert bestimmten einige Städte gelbe Markierungen für Prostituierte (aufgenähte Streifen, Tücher oder Schleier), allerdings nie komplette Kleider. Andere Vorgaben schrieben das Tragen von roten oder grünen Kleidungsstücken vor. Die Gruppen „Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475“ und „1476 – Städtisches Aufgebot e.V.", Foto von Sebastian Bergner. Pflanzenfarben – so bunt wie ein Prisma Das Gruppenfoto der "Kurfürstlich-Sächsischen Kriegsknechte" und dem "1476 Städtisches Aufgebot e.V" – zwei Reenactmentgruppen aus Deutschland – zeigt eindrucksvoll, wie farbig und vielfältig das späte 15. Jahrhundert sein konnte und welche Farbigkeit mit den im Mittelalter verfügbaren Farbstoffen erreicht werden kann. Dieser Blogbeitrag kann das breite Thema des farbigen Mittelalters nicht vollständig abdecken. Er soll aber helfen, das Klischee vom dunklen und grauen Mittelalter ein wenig zu widerlegen. Verwendete und weiterführende Literatur Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 47-63. Fankhauser, Stefan: Schönfärberey : https://schoenfaerberey.ch/index.html , 04.07.2026. Feusi, Giovanna: Pigmente der Nachhaltigkeit : https://dlf.uzh.ch/sites/pigmentedernachhaltigkeit/2022/07/22/ , 04.07.2026. Fuchs Lisa und Reifinger Petra: Das bunte Mittelalter (1): Herstellung von Farben , Universitätsbibliothek Graz, https://ub.uni-graz.at/de/neuigkeiten/das-bunte-mittelalter-1-herstellung-von-farben/ , 04.07.2026. Linares, Marina: Kunst und Kultur im Mittelalter . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 297-311. Museum Wiesbaden, Ausstellung " Tierisch rot ", https://museum-wiesbaden.de/tierisch-rot , 25.06.2026. Ploss, Emil Ernst: Ein Buch von alten Farben. Technologie der Textilfarben im Mittelalter mit einem Ausblick auf die festen Farben , 2. Aufl., München 1967. Simon-Muscheid, Katharina: "Kleidung" . In: Historisches Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016302/2008-10-16/ , 04.07.2026. Sorores Historiae: Das Gelbe vom Ei – Von der Verwendung gelber Farbstoffe im Mittelalter , https://sororeshistoriae.com/2019/09/03/das-gelbe-vom-ei-von-der-verwendung-gelber-farbstoffe-im-mittelalter/ , 04.07.2026. Torggeler, Armin: Verbotene Farben. Die Rolle von Textil und Kleidung in den Reformbestrebungen des Nicolaus Cusanus . In: Nicolaus Cusanus. Ein unvergessenes Genie in Tirol. Runkelsteiner Schriften zur Kulturgeschichte 9, Bozen 2016, S. 105-131. NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN Mittelaltermarkt mit viel Spektakel Historische Marktstände, Handwerk und viele weitere Highlights auf der Burg Workshop: Kleid aus dem Hochmittelalter nähen Zweitägiger Workshop mit Kostümexpertin Alice Severin Von Manuela Nipp Von Manuela Nipp Manuela Nipp ist Historikerin und Geschichtsvermittlerin im Team Bildung und Vermittlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Historische Kleidung Kommentare"